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Was lange währt wird endlich gut – eine Baugeschichte in drei Akten

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Dienstag, Juni 26th, 2018

Der Dachstuhlbrand des CVJM-Hauses in Wuppertal-Wichlinghausen am 14.06.15 traf die Gemeinde damals mitten ins Herz. Bereits bei den Löscharbeiten zeichnete sich ab, dass der Wiederaufbau kein alltägliches und nur sehr schwer zu realisierendes Unterfangen sein würde.

Die stark verdichtete Bausituation erschwerte nicht nur die 24 Stunden währenden Arbeiten der Feuerwehr, sondern ebenso im gleichen Maße die Erwirkung einer neuen Baugenehmigung. Durch die massive Beschädigung des Gebäudes beurteilte das Bauamt dieses vollkommen neu. Mit Hinblick auf das aktuell geltende Baurecht, welches mit dem Baurecht von 1912 nicht mehr viel gemein hat, mussten neue Lösungsansätze gefunden werden.
Neben der kostspieligen brandschutztechnischen Aufrüstung der auf der Baugrenze befindlichen Fassaden und Fenster wurde auch ein zweiter, separater Fluchtweg gefordert. Da das CVJM-Haus jedoch nahezu allseitig von der Nachbarbebauung umschlossen ist, waren kreative architektonische Lösungen seitens des Architekturbüros insa4 mit Sitz in Wuppertal gefordert. Nach Prüfung aller denkbaren und undenkbaren Lösungen, ergab sich glücklicherweise, dass der Betreiber der angrenzenden KiTa an der Westkotterstraße das Gebäude samt Tagesstätte der evangelischen Kirchgemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck zum Kauf anbot. Durch die Vermittlung des Architekturbüros und den Erwerb der Immobilie konnte somit der neuralgische Weg zur Westkotterstraße gesichert werden. Parallel zu den Verhandlungen mit dem Bauamt, Versicherungen, Nachbarn und Politik wartete das CVJM- Haus auch mit ganz besonderen Herausforderungen auf. Durch den warmen, regenreichen Sommer, einen nicht weniger nassen Herbst und den ausgeprägten Winter, war das Bauwerk ungeschützt den Elementen und dem Vandalismus überlassen. Das nicht genehmigte und somit nicht vorhandene Notdach tat hier sein übriges. So war es nicht verwunderlich, dass sich innerhalb kürzester Zeit das Gebäudeinnere in ein vollflächig schimmelüberzogenes Feuchtraumbiotop verwandelte – inklusive mehrerer 10 Zentimeter großer, essbarer Pilze, welche aus dem Mauerwerk wuchsen. So wurden die anderthalb Jahre zwischen dem Brand und der sehnlichst erwarteten Baugenehmigung intensiv genutzt, um kontaminiertes Material zu entfernen und dem Schimmel massiv mit Bautrocknungsmaßnahmen zu Leibe zu rücken. Am Ende stand ein rohes, vollkommen entkleidetes Bauwerk, wie es wohl das letzte Mal vor über 100 Jahren bei der Ersterrichtung zu sehen war.
Mit der Erteilung der hart erkämpften Baugenehmigung am 10.02.17, begann die Herausforderung, das vollständig entkernte Gebäude wieder mit Leben und Qualität für die Kinder des Stadtteils Wichlinghausen zu füllen. Das grundlegende Credo hierbei war von Anfang an, die historischen Besonderheiten zu wahren und diese zeitgleich mit modernen, baukonstruktiven und gestalterischen Einflüssen zu kombinieren und somit das CVJM-Haus für die nächsten Jahrzehnte zu gestalten. Trotz der florierenden Bauwirtschaft und der damit verbundenen herausfordernden Handwerkerakquise, konnte in der Zusammenarbeit mit versierten Fachplanern und -firmen ein vorzeigbares Zuhause für die Kinder- und Jugendarbeit verwirklicht werden. Neben der Verbesserung der „inneren Werte“ durch Modellierung und Bereinigung der Grundrisse, wurde, auch in Zusammenarbeit von insa4 mit dem Wuppertaler Graffiti-Künstler Marko Leckzut, dem Haus ein einmaliges, einladendes Äußeres mit Leuchtturmwirkung für den gesamten Stadtteil gegeben.